kulturelle Attraktionen

Um das touristische Angebot des Landes noch vielfältiger zu gestalten und auch die ländlichen Gebiete vom Tourismus profitieren zu lassen, wurden bisher gut gehütete Kulturerbeschätze für Besucher zugänglich gemacht. Aus diesem Grund wurde das Juffureh-Albreda Wiederaufbauprojekt am bekannten Schauplatz des Romans „Roots“  ins Leben gerufen. Dieses Projekt, welches die Errichtung eines neuen Museums über die „Maskeraden-Traditionen Gambias“ im Kankurang-Zentrum in Janjanbureh beinhaltet, gilt als touristische Attraktion, welche es Touristen ermöglicht sowohl das materielle als auch das immaterielle Kulturerbe des Landes kennen zu lernen.

 

Das Juffure-Albreda Wiederaufbauprojekt

Das Juffure-Albreda Wiederaufbauprojekt (2015-2017) wurde initiiert, um die kulturellen Schätze des Gebiets zu wahren und zugunsten der einheimischen Bevölkerung zu nutzen. Die sich im Herzen der Kunta-Kinteh-Insel befindende Kulturstätte ist heute sogar eine der Weltkulturerbestätten der UNESCO. Frühere Aktivitäten in der Region hatten vor allem das Ziel, die Stätte zu erhalten und zu restaurieren. Die neue Initiative konzentriert sich darauf, den Gemeinden vor Ort auf eine nachhaltige Art und Weise den höchstmöglichen Nutzen aus den kulturellen und materiellen Ressourcen der Umgebung zu sichern. Das Projekt folgt einem Bottom-up-Ansatz, welcher sich zum Ziel setzt, Probleme zu identifizieren und in Zusammenarbeit mit allen touristischen Akteuren sowie den lokalen Gemeinden durch geeignete Maßnahmepläne zu lösen.

Als Hauptproblem Gambias als touristisches Ziel gilt seit langem die wirtschaftliche Unterdrückung der Gemeinden. Bisher profitierten große touristische Akteure alleine von den Geldströmen, die Urlauber ins Land brachten. Das prioritäre Ziel ist es somit dieser Entwicklung entgegen zu wirken und die Einnahmen des Tourismus zur Sicherung des Lebensunterhalts der Einheimischen zu nutzen.

Es soll Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden, damit die Einheimischen lernen die Ressourcen Gambias wertzuschätzen und in einer nachhaltigen Weise für den Tourismus zu nutzen. Die Bewohner erhalten Ausbildungen, welche es Ihnen z.B ermöglichen als Tourguides zu arbeiten und letzlich zu qualifizierten Reiseleitern zu werden. An den meisten Kulturstätten wurden inzwischen attraktive und witterungsbeständige Informationstafeln angebracht, welche den Reiseleitern als Hilfmittel dienen und für Besucher spannende Hintergründe liefern. Ziel ist es den Besuchern des Landes ein unvergessliches Reiseerlebnis zu ermöglichen, das Sie gerne verlängern oder wiederholen möchten.

Aber auch die Kunsthandwerker, die ihre Werke an die Reisende anbieten, werden gefördert. Man motiviert Sie lokale Einflüsse in ihre Kunst einfließen zu lassen, ihre Produkte auf diese Weise einzigartig zu gestalten und sich so von den Verkäufern der Urlaubsregionen zu differenzieren. Viele der vor Ort hergestellten Werke werden im Juffure-Albreda Besucherzentrum ausgestellt und zum Verkauf angeboten.

Die erste Bauphase des Besucherzentrums ist bereits abgeschlossen. Der Empfang und ein Showroom, in dem lokales Kunsthandwerk, Videos und Poster zu den verfügbaren Touren ausgestellt und verkauft werden, sind fertig. Sobald die Anlage komplett steht, wird es auch Besuchereinrichtungen, Büroräume für die örtlichen Reiseleiter und Tourismusbeauftragte sowie einen Konferenzraum geben, in dem Gemeindeversammlungen und Informationsveranstaltungen für Gäste abgehalten werden können. Um der traditionellen Baukultur der Umgebung Ausdrück zu verleihen wurden für den Bau des Informationszentrums außschließlich regionale Materialien und Techniken verwendet. Das neue Zentrum wurde in Zusammenarbeit mit einer Beratungsgruppe, bestehend aus einheimischen Reiseleitern sowie Arbeitern des Baugewerbes, entworfen und errichtet und wird daher als Werk der Gemeinde betrachtet.

Das besagte Projekt ermöglicht es weiterhin den Gemeindealltag in Einklang mit dem Tourismus zu bringen. Besucher des Ortes können sich z. B. bei einem Rundgang mit den Einheimischen von deren Tätigkeiten als Fischer oder Landwirte erzählen lassen. Da das Besucherzentrum außerdem direkt am Fischmarkt gebaut wurde, können Touristen das bunte Treiben des Marktes von bequemen Sitzmöglichkeiten aus bestaunen.

Das brandneue Gebäude, welches an Stelle einers alten verlassenen Getreidelagers entstanden ist, fügt sich dank seiner natürlichen Farben perfekt in die Landschaft ein. Die frei stehende Bauweise wirkt zudem auf Einheimische und Gäste gleichermaßen einladend. Oft spielen Kinder auf den Terrassen und für viele ist das Gebäude ein beliebtes Fotomotiv.

Das Wiederaufbauprojekt bietet Besuchern eine spannende Sehenswürdigkeit, welche Gambia zu einem noch attraktiveren Reiseziel macht.

 

Das Kankurang Centre, Janjanbureh

Das Zentrum in der Central River Region wurde nach Kankurang, einer Masken-Tradition der westafrikanischen Ethnie der Mandinka, benannt, die in lokalen Bräuchen bei Initiations- und Übertrittsriten praktiziert wird. Das Zentrum wurde im Jahr 2005 von der UNESCO in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Im Anschluss wurde ein Projekt ins Leben gerufen, dessen Ziel es ist die Traditionen des Ortes langfristig zu erhalten. Vor diesem Hintergrund wurde mit Unterstützung der UNESCO ein Informationszentrum gebaut, welches einen Ort bietet um sich mit den Traditionen und deren Schauplätzen auseinanderzusetzen.

Das Zentrum befindet sich im Herzen des heiligen Tinyangsita-Waldes, in dem die Initiationsriten üblicherweise durchgeführt werden. Die Umgebung ist umsäht von Schmetterlings-Bauhinien, einer farbenfrohen Blütenbaumart, aus der die Kostüme der Kankurang gemacht werden. Außerdem vorzufinden sind viele heilige Bäume und Stätten von kulturellem Wert. Zur Zentrumsanlage gehören zudem ein Museum mit Ausstellung kultureller Gegenstände, ein Hörsaal für Lehrveranstaltungen und Workshops, ein Gemeindeplatz namens Bantaba für Aufführungen, Besuchereinrichtungen und ein Verwaltungsbüro.

Die Eröffnungsausstelllung trägt den Titel „Kankurang und andere Masken-Traditionen in Gambia“. In dieser in mehrere Bereiche gegliederten Ausstellung sollen die Masken-Traditionen Gambias illustriert und erklärt werden, wobei besonders Kankurang hervorgehoben wird. Mit Hilfe von erläuternden Texten, Fotos, Malereien, Puppen und Karten zeigt die Ausstellung die Geschichte und die Herkunft verschiedener in Gambia vorkommender Maskentypen sowie ihre Bedeutung, Symbolik, Rolle und ihren Wert für die Gesellschaft auf.

Der erste Teil der Ausstellung verdeutlicht, dass die Verwendung von Masken ein globales Phänomen ist. Die weltweite Verbreitung, Stile, Formen, Symbole, Funktionen von Masken werden dargestellt. In Afrika kommen Bräuche unter Einbezug von Masken besonders häufig vor, zeremonielle Masken sind ein wichtiger Bestandteil der traditionellen Kultur und Künste der Völker.

Im zweiten Teil der Ausstellung wird die Masken-Tradition Kankurang tiefer beleuchtet. Die Geschichte der Kankurang wird zurückverfolgt und die verschiedenen Typen werden dargestellt. Die Kostüme werden gezeigt und ihre sozio-kulturellen Funktionen und Aufführungskontexte beleuchtet.

Im dritten Teil beschäftigt sich die Ausstellung mit anderen Masken-Traditionen Gambias. Fast alle ethnischen Gruppen des Landes haben ihren eigenen Stil. Bei den Jola ist der häufigste Typ die Kumpo, bei den Wolof die Zimba, bei den Akus die Hunting Devil und bei den Agoogu schließlich die Fairy. Aber diese Zuordnungen sind nicht immer zutreffend. Wanderungsbewegungen und Wechselbeziehungen zwischen den Gruppen haben im Laufe der Zeit dazu geführt, dass die Protagonisten und Darbietungen ethnische Grenzen überwinden. Beispielsweise sind die meisten Einwohner von Banjul, die in die Geheimnisse der Masken-Traditionen eingeweiht sind, nicht unbedingt vom Volk der Aku.

Im vierten Teil der Ausstellung geht es um die Maskeraden afrikanischer Frauen. Obwohl Masken vor allem eine Domäne der Männer sind gibt es viele Frauen, die sich verkleiden. Zudem verkleiden sich Männer auch als weibliche Gestalten, die feminine Ideale versinnbildlichen. Der Höhepunkt dieses Ausstellungsteils sind die Masken-Traditionen der Mandinka-Frauen aus dem Wuli Disctrict (Upper River Region), die heute nur noch selten gepflegt werden und langsam verschwinden.

Die Ausstellung endet mit einem Ausblick in die Zukunft und der Frage nach den Erhaltungschancen der Traditionen, welche in Anbetracht der abnehmenden Ressourcen zur traditionellen Kostümherstellung und der generellen Globalisierung zunehmend schwinden.

Das Kankurang Centre ist nicht nur eine unschätzbare Ergänzung des Tourismus-Portfolios in ländlichen Gebieten, sondern auch eine wichtige Bildungseinrichtung für Schulkinder und alle Menschen, die mehr über das immaterielle Kulturerbe des Landes erfahren möchten.